Waldbau und Artenschutz

Eremit (Osmoderma eremita)
Eremit (Osmoderma eremita)

Die natürliche Vielfalt (Biodiversität) ist nicht gleichmäßig verteilt. Es gibt Zentren (Hot Spots) der Artenvielfalt, wo die Evolution besonders viele Lebensformen hervorgebracht hat. Tropische Länder besitzen dabei die größte Vielfalt bei noch vorhandenen natürlichen Lebensräumen. Aber auch Wälder der gemäßigten Zone und im Bereich der borealen Nadelwaldzone ist ein Teil der globalen Vielfalt hinterlegt. Der globale Verlust an Lebensräumen, insbesondere durch Waldrodungen, und bevorstehenden klimatischer Veränderungen trägt in einem bisher unbekannten Ausmaß am globalen Artensterben bei. Die Erkenntnisse über den anthropogenen Einfluss auf den Wandel von Ökosystemen bestehen seit Anfang des 20. Jahrhunderts. HUTCHINSON (1948) bemerkte dazu, „ … der Ökologe sollte in der Lage sein, zu lehren, dass es eben soviel Spaß macht und genau so wichtig ist, die Biosphäre zu reparieren und in Ordnung zu halten wie das Radio oder das Familienauto“.  Die Erfassung der Lebensbedingungen und ihrer Lebenstätigkeit der ganzen Biosphäre auf der Erde und ihrer Reaktion auf die sich steigernden Eingriffe des Menschen betrachtete REMANE (1960) als „eventuell erreichbares Fernziel“ ökologischer Forschung. Wälder sind hochspezialisierte Ökosysteme und beherbergen neben marinen Ökosystemen den höchsten Anteil an Arten. Die UN-Welternährungsorganisation FAO schätzt, dass pro Jahr 12 Mio. ha geschlossene Walflächen, insbesondere im Bereich der Tropenwälder, durch Eingriffe verändert werden.

Verbunden damit sind  Biodiversitätsverluste in einer bisher unbekannten Größenordnung, die nur global und mit sehr großen gesellschaftlichen Aufwendungen im 21. Jahrhundert gelöst werden müssen. Dabei stehen Waldrodungen (Waldumwandlungen), Waldmehrung und Waldbewirtschaftung im Mittelpunkt gesellschaftlicher Handlungsoptionen. Mit einem Bewaldungsanteil von 26 % gehört das Bundesland Sachsen-Anhalt zu den waldärmeren Ländern in Deutschland. Die für Sachsen-Anhalt ausgewiesenen forstlichen Wuchsgebiete beherbergen eine Fülle von Waldgesellschaften und einen hohen Baumartenreichtum. Dies bietet gute Voraussetzungen für eine vielfältige arten- und Formenmannigfaltigkeit. Die Ausrichtung der Waldbewirtschaftung zu einer ökogerechten Waldbewirtschaftung ist dabei ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung und Verbesserung der Vielfalt in unseren heimischen Wäldern. Biodiversität ist ein Teil unseres Kulturgutes und es besteht auch hier die gesellschaftliche Verpflichtung zur Erhaltung und Sicherung für künftige Generationen.